Tit Sin Kuen 鐵線拳

 

Die Tit Sin Kuen wurde von Meister Tit Kiu Sam (Leung Guan) entwickelt. Über seinen Schüler Lam Fok Sing wurde sie an Wong Fei Hung und Wong Kei Ying weitergeben.

Tit: eisern, Eisen

Sin: Faden, Schnur oder auch Kette

Kuen: Faust

„die Technik (Faust) des eisernen Fadens“. "Tit Sin Kuen" kann man im weiteren Sinne auch mit „Kettenfaust“ oder „Kettentechnik“ übersetzen, da die Kette obwohl sie sehr stabil ist (Eisen) trotzdem sehr flexibel ist.

Diese Handform beinhaltet wie die Ng Hang Kuen bzw. Ng Hang Kuen ebenfalls die Urkräfte "Yin" und "Yang" und die "Fünf Elemente". Ziel der Form ist es, den Körper widerstandsfähig und stark wie Eisen zu machen, aber doch so flexibel und weich wie ein Faden (Kette) zu erhalten. Hier ist der ganze Gedanke des Hung Gar Kuen verankert. Man trainiert sich einen starken, robusten und widerstandsfähigen Körper an, ohne jedoch an Flexibilität und Weichheit zu verlieren. Die Urkräfte "Yin" (weich) und "Yang" (hart) werden hier vereint.

Die Form selbst besteht fast ausschließlich aus Atemübungen (kant. Hei Gong / mand. Qi Gong). Hier fließen die Atemübungen der Ng Ying Kuen, also die Fünf Elemente mit ein.Um die Tit Sin Kuen zu meistern, muß man die Lehre der Laute (Atemtechniken zur Stimulierung der einzelnen Organe), wie sie in der Ng Ying Kuen und Sap ying Kuen gelehrt werden, beherrschen.

Diese Form rundet das komplette System ab. Zuerst wird der Körper mit der Gung Ji Fok Fu Kuen gekräftigt, mit der Fu Hok Seung Ying Kuen und der Ng Ying Kuen lernt man sich zu bewegen, mit der Ng Ying Kuen und der Ng Hang Kuen lernt man den Fluß des Qi im Körper zu steuern und bringt den Geist unter Kontrolle und die Tit Sin Kuen soll nun diese genannten Anforderungen vereinen. Hier widmet man sich ganz dem Fluß des Qi im Körper. Man lernt das Qi in die verschiedenen Organe zu lenken, um diese gesund zu erhalten.

Die Tit Sin Kuen hat eigentlich keine kämpferische Absicht mehr, obwohl die einzelnen Übungen noch immer ein solches Aussehen (Blocktechniken, Rückhandschläge) haben und sie dadurch durchaus noch als Techniken angewendet werden können.

Durch das Üben der Tit Sin Kuen soll man hart oder „eisern“ (= widerstandsfähig) werden aber gleichzeitig flexibel oder weich bleiben. Das regelmäßige Trainieren dieser Form bringt ein hohes Maß an Gesundheit. Jedoch muß ein Schüler eine gewisse Reife mitbringen, um diese Form erlernen zu können. Und um sie zu meistern, bedarf es unablässiges und intensives Üben.

Falsche Anwendung kann genau zum Gegenteil führen. Durch falsche, unsachgemäße Anwendung der Atemtechniken können die Organe erheblichen Schaden erleiden. Es kann zu Überreizungen der Gefühle kommen, sodaß man irgendwann die Kontrolle, die man sich mühsam erarbeitet hat, verliert.

Es soll auch schon zu inneren Verletzungen, wie Magenblutungen etc. gekommen sein.

Mit dieser Form werden auch die sogenannten 12 Brückentechniken (Sap Yi Kiu Sao) gelehrt. Eigentlich sind diese Techniken bzw. Prinzipien bereits in der Gung Ji Fok Fu Kuen, Fu Hok Seung Ying Kuen Ng Ying/Ng Hang Kuen vorhanden, doch soll man sich erst in der Tit Sin Kuen intensiv damit beschäftigen.

Die 12 Brücken sind einzelne Prinzipien, die man sich im Kampf zunutze machen kann. Es sind keine speziellen Techniken, sondern diese Prinzipien haben allgemeine Gültigkeit in sämtlichen Kampfkünsten.

siehe die 3 Schätze

Mit dem Erlernen und Beherrschen der Tit Sin Kuen ist der Kreis des Hung Systems abgeschlossen. Der Schüler hat gelernt, seinen Körper zu kontrollieren und seine Bewegungen mit der Atmung zu koordinieren. Die Kontrolle der Gefühle sowie der inneren Organe und damit die bewußte Gesunderhaltung des ganzen Körpers runden das Hung Gar Kuen ab.

Die traditionellen Handformen des Hung Stiles bieten dem Übenden eine Möglichkeit, seinen Körper und Geist in einer Art systematischer Metamorphose umzuwandeln. Er trainiert zu Anfang seinen Körper (Gung Ji Fok Fu Kuen), kommt über das duale System (Fu Hok Seung Ying Kuen) zu den Fünf Tieren und Fünf Elementen (Ng Ying Kuen, Ng Hang Kuen bzw. Sap Ying Kuen) und lernt letztlich all dieses miteinander zu vereinen (Tit Sin Kuen). So werden Körper, Geist und Seele schließlich eine Einheit. Um diese Stufe zu erreichen, ist stetes und intensives Training erforderlich und es bedarf der Führung eines kompetenten Meisters.

Copyright © Hung Gar Kuen Martial Arts Association Germany Sifu Hagen Bluck