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Geschichte des Hung Gar Kung Fu (Hung Gar Kuen)

(nähere Hintergründe des Hung Stiles im Buch "Geschichtliche Hintergründe des Siu Lam Hung Kuen", erschienen in der BO CHI LAM Bibliothek)

In der Ming-Dynastie (1368 – 1644) unter Kaiser Zhu Yuan Zhang waren die Kampfkünste sehr beliebt und im ganzen Land wurden Kung Fu Schulen eröffnet. Das Shaolin-Boxen war eines der populärsten Kung Fu Systeme im Land. Doch als die Mandschus im Jahre 1644 die Herrschaft übernahmen (Qing-Dynastie 1644 – 1911) wurden viele Kung Fu Schulen durch Regierungstruppen geschlossen. Nachdem der Nordshaolin-Tempel in Henan von den Mandschu-Truppen zerstört und niedergebrannt wurde, verteilten sich die überlebenden Mönche im ganzen Land. Unter ihnen waren auch die bekannten fünf Ältesten Mönche (五祖). Chi Sin 至善, Bak Mei 白眉, Miu Hin 苗顯, Fung Do Dak 馮道德 und Ng Mui 伍枚. Der Mönch Chi Sin ließ sich in der Provinz Fukien im Gau Lin San Tempel nieder, der auch als Nam Siu Lam Tempel (Süd-Shaolin-Tempel) bekannt war. Dort wurde er zum Abt ernannt. Aufgrund politischer Verfolgung flüchtete der junge Kräuterhändler Hung Hei Guan (洪熙官 1732 - 1825; im Mandarindialekt auch Hung Xi Guan) im 18. Jahrhundert in den Gau Lin Tempel (九蓮寺, Neun Lotus Tempel, auch bekannt als Süd-Shaolin-Tempel 南少林寺), um das Siu Lam Boxen zu erlernen. Nachdem er zuerst von dem Mönch Sam Dak (三德 auch als Mönch San De bekannt) die Grundtechniken gelernt hatte, wurde er schließlich von Abt Chi Sin 至善禪師 persönlich unterwiesen. Hung Hei Guan war ein sehr kräftiger Mann, deshalb war das harte Shaolin-Boxen und insbesondere der Tigerstil auch wie für ihn geschaffen. So lernte der junge Kräuterhändler den Tigerstil (少林伏虎拳 Fok Fu Kuen) der Shaolin.

Nach kurzem Training wurde Hung Hei Guan 洪熙官 einer der zehn besten Kung Fu Schüler im Tempel und gehörte nun zu den Siu Lam Sap Fu (少林十虎 den zehn Tigern von Shaolin). Einer seiner Mitschüler war auch Fong Sai Yuk 方世玉.

Da das Volk immer mehr unter den Übergriffen der Mandschu-Truppen leiden mußte, entschloß sich Abt Chi Sin in der legendären Wing Chun Tong (永春堂 Halle des ewigen Frühlings), das Shaolin-Boxen dem Volk zugänglich zu machen, damit sich die Bevölkerung gegen die Truppen verteidigen konnte. So brachte Chi Sin weitere bekannte Schüler hervor, wie z. B. Wong Wa Bo, San Kam und Luk A Choy 陸阿采.

Als die Regierung erfuhr, daß im Süd-Shaolin-Tempel Rebellen ausgebildet wurden, blieb auch dieser nicht vor Angriffen der Mandschus verschont. So wurde der Gau Lin Tempel schließlich ca. 1768 von den Mandschu-Truppen angegriffen und zerstört. Nur wenige Shaolinanhänger konnten fliehen. Unter ihnen waren Hung Hei Guan, Fong Sai Yuk und Luk A Choy. Manche Legenden erzählen, daß Abt Chi Sin beim Angriff auf den Shaolin-Tempel von dem abtrünnigen Mönch Bak Mei auf Auftrag der Regierung getötet wurde. Um die Gerechtigkeit wieder herzustellen und um seinen Meister zu rächen,organisierte Hung Hei Guan eine Rebellion gegen die Mandschu. Durch ihren Widerstand waren Hung Hei Guan und Fong Sai Yuk zu dieser Zeit zwei der bekanntesten aber auch am meisten gesuchten Kämpfer in China.

Von Fong Sai Yuk heißt es, daß er die Technik des Eisernen Körpers sowie den Stil Ng Ying Kuen (五形拳 Technik der fünf Tiere) beherrschte. Der Legende nach, wurde der Körper von Fong Sai Yuk im Kindesalter durch Schläge mit einem Bambusstab und durch die Benutzung von Dit Da Jou (跌打酒 = Medizin zur Behandlung von Prellungen) so abgehärtet, bis sein Körper nahezu schmerzunempfindlich war. Dies machte Fong Sai Yuk zu einem nahezu unbesiegbaren Kämpfer. Doch seine absolute Spezialität war das Kranich-Boxen, ein Kampfsystem, welches die Kunst des Nachgebens lehrt. Leider wurde Fong Sai Yuk bei seinem Rachefeldzug gegen die Mandschu von Bak Mei 白眉 getötet, der die Schwachstellen an Fongs Körper kannte.

Während seiner Flucht durch das Land lernte Hung Hei Guan die Kämpferin Fong Wing Chun 方永春 kennen, welche die Nichte (manchmal heißt es auch die Tochter) von Fong Sai Yuk war (* Fong Wing Chun ist nicht zu verwechseln mit Yim Wing Chun 嚴詠春, die laut manchen Quellen bei der Entwicklung des Wing Chun Stiles 詠春拳 beteiligt war). Fong Wing Chun wird oft auch mit dem Namen Fong Chat Neung 方七娘 bezeichnet. Diesen Namen erhielt sie von ihrer Familie, da sie die 7. (Stief-)Tochter der Fong-Familie war. Von ihrem Onkel Fong Sai Yuk wurde Fong Wing Chun in das Kampfsystem ihres Heimatdorfes, das als weißes Kranich Boxen aus Wing Chun (永春白鶴拳 Wing Chun Bak Hok Kuen) bekannt war, eingewiesen und erreichte darin die Meisterschaft. Ihr Können lehrte sie weiter an Hung Hei Guan, welcher durch seine Shaolin-Ausbildung sehr schnell lernte. Er verband die weichen Bewegungen des Kranichs mit den harten Tigertechniken so geschickt, daß diese Kombination schließlich einen völlig neuen Stil bildete. Zu dieser Stunde war eine neue Technik geboren, „Fu Hok Seung Ying“ 虎鶴雙形, die „Tiger und Kranich Kombination“. Hung Hei Guan und Fong Wing Chun heirateten.

Da zur Zeit der Mandschu-Herrschaft der Name „Shaolin Kung Fu“ verboten war, gab man dem neuen Kung Fu System den Namen seines Begründers Hung Hei Guan. Dieses neue Kung Fu System nannte man:

HUNG GAR KUEN 洪家拳

was soviel heißt wie „die Faust des Hung Clans“. („Hung“ ist der Nachname bzw. Familienname, „Gar“ bedeutet „Clan“ oder „Familie“ und „Kuen“ [gespr. Kün] steht für „Faust“). Da Hung Hei Guan von der Regierung gesucht wurde (die Regierung verfolgte alle Anhänger der Shaolin, um sie zu töten), konnte er keine offizielle Kung Fu Schule eröffnen. So trainierte und unterrichtete er sein Tiger- und Kranich-Boxen anfänglich auf einem Hausboot. So heißt es, es sei Hung Hei Guan gewesen (manchmal auch Chi Sin), der auf der Roten Dschunke (einem Boot einer Theatergruppe) als Koch anheuerte, um auf der Suche nach Bak Mei unerkannt durchs Land reisen zu können. So war er es auch, der Wong Wa Bo in der Langstocktechnik und in den Nahkampftechniken unterrichtet hat. Da das Boot von den Wellen oft hin und her geschaukelt wurde, mußte man sehr tief bzw. fest stehen, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren. So kam der Hung Stil zu seinen bekannten festen und soliden Stellungen.

Mit seiner neuen Technik zog Hung Hei Guan durch das Land, um den Tod von Abt Chi Sin und seinem Kung Fu Bruder Fong Sai Yuk zu rächen. Als er dann Bak Mei begegnete, kam es sofort zu einem erbitterten Kampf. Doch dem neuen Kampfsystem von Hung Hei Guan hatte Bak Mei nichts entgegenzusetzen. Meister Hung wich den Attacken seines Kontrahenten geschickt aus, traf ihn gleichzeitig an gefährlichen Stellen, wie z. B. Augen, Hals etc. und attackierte ihn blitzschnell mit erbarmungslosen Tigertechniken.

Neben den soliden Stellungen und den Tiger- und Kranichtechniken ist ein weiteres Markenzeichen des Hung Gar Kuen die „Einfingerhand“ (Dan Ji Sao 單指手). Dabei werden bis auf den Zeigefinger alle Finger gebeugt. Dieses Zeichen wurde im Kampf gegen die Qing Herrschaft von den Rebellen als Erkennungszeichen eingesetzt. Es bedeutete: „Wenn jeder Ming nur einen Finger hebt, werden wir die Qing besiegen“. Diese Handhaltung (auch „Kiu Sao“ = Brückenhand), ist heute noch ein fester Bestandteil des Hung Boxens.

Hung Hei Guan entwickelte eine Form namens „Gung Ji Fok Fu Kuen“ 工字伏虎拳. Diese Form wird auch heute noch in traditionellen Hung Gar Kuen Schulen unterrichtet und beinhaltet alle Techniken, die den Hung Stil auszeichnen wie z. B. Shaolin-Grundtechniken, Tigertechniken, Brückenarme etc.

Die „Gung Ji Fok Fu“ ist eine Kombination mit der Tigerform, welche von Abt Chi Sin im Shaolin-Tempel unterrichtet wurde - der „Fok Fu Kuen“ 少林伏虎拳 und dem von Hung Hei Guan entwickelten Teil "Gung Ji Kuen" 工字拳.

Hung Hei Guan gab sein Kung Fu System "Hung Kuen" weiter an seinen ehemaligen Shaolin Bruder Luk A Choy 陸阿采 (ca. 1761 - 1829), der ebenso einst Schüler von Abt Chi Sin war. Luk A Choy brachte das Hung Gar Kung Fu nach Kanton, wo er Wong Tai 黃泰 kennenlernte, dem er den geheimen Kung Fu Stil lehrte.

Wong Tai (ca. 1782 - 1867) war ein sehr bescheidener Mann. Aufgrund seiner Tugenden und seinem sehr großen Kung Fu Talent, wurde er von Luk A Choy als ehrwürdiger Nachfolger auserwählt. Wong Tai hatte ursprünglich Kampftechniken der Yiu Familie trainiert, wo er u.a. auch die Tigergabel erlernt hatte. Wong Tai gab die Kunst in die Hände seines Sohnes Wong Kei Ying 黃麒英 (ca. 1810 - 1886) weiter, der zusätzlich von Meister Luk A Choy unterrichtet wurde. Wong Kei Ying lernte sehr schnell und wurde bald als einer der größten Kung Fu Meister im ganzen Land verehrt. Er war als ein sehr rechtschaffener Mensch bekannt, der sich stets für die Schwachen und Unterdrückten einsetzte.

Von Wong Kei Ying wurde das Hung Gar Kuen an seinen Sohn Wong Fei Hung 黃飛鴻 weitergegeben, der 1847 in Kanton, Lam Hoi Provinz, Sai Chu County, im Luk Yuan Yan Dorf geboren wurde. Die Ausbildung Wong Fei Hung´s begann im Alter von fünf Jahren. Da er ein sehr fleißiger Schüler war, trat er bald in die Fußstapfen seines Vaters. Beide waren Mitglied in einer Rebellengruppe, die als die „Zehn Tiger von Guandong (Kanton) 廣東十虎“ bekannt und gefürchtet waren. Die Gruppe bestand aus den zehn besten Kung Fu Meistern Südchinas und setzte sich für Recht und Ordnung ein. So mußten sich die zehn Tiger von Kanton oft auch den Regierungstruppen der Qing (Mandschu) stellen.

Anführer dieser Gruppe war Tit Kiu Sam 鐵橋三 (ca. 1813 - 1886; sein richtiger Name war Leung Guan 梁坤), welcher von dem Shaolin-Mönch Kwong Yan 覺因 in einer speziellen Kunst des Qi Gong (= Hei Gong 氣功) und dem Hung Kuen unterrichtet wurde. (Von Kwong Yan heißt es, er habe das Hung Kuen von Hung Hei Guan bzw von Luk A Choy erlernt.) Mit diesen speziellen Erfahrungen im Bereich Qi (Hei) Gong und Hung Kuen entwickelte Tit Kiu Sam so die bekannte Faustform „Tit Sin Kuen 鐵線拳“, eine Form, welche die Qi-Kräfte im Körper ausbildet. Lam Fok Sing 林福成, ein Schüler von Tit Kiu Sam, gab diese Handform an Wong Fei Hung und dessen Vater Wong Kei Ying weiter. Vater und Sohn integrierten schließlich diese hochentwickelte Form in das Hung Gar Kung Fu. Meister Wong Fei Hung war bekannt für seinen „Schattenlosen Tritt“ (Mo Ying Geuk 無影腳), ein Tritt, der, bei richtiger Anwendung, nicht gesehen werden konnte. Diese Technik lernte er von Meister Sung Fai Tong 宋輝鏜, dem er als Gegenleistung die Tit Sin Kuen beibrachte.

Da Wong Fei Hung´s Vater ein sehr bekannter chinesischer Arzt war, wurde auch Wong Fei Hung in das Wissen über die chinesische Medizin eingeweiht. Wong Fei Hung zählte bald zu den vier besten Ärzten Südchinas. An diese vier Ärzte - Wong Fei Hung, Jau Hung Gun, Lei Gam Chuen und So Hat Yi 蘇乞兒 - erinnert man sich bis in die heutige Zeit. Aus dem ganzen Land reisten kranke Menschen an, um sich von Meister Wong Fei Hung in seiner Praxis, die unter dem Namen  Bo Chi Lam 寶芝林“ bekannt war, behandeln zu lassen.

Wong Fei Hung kreierte zusammen mit seinem Vater Wong Kei Ying auch die im Hung Gar Kung Fu bekannteste Form „Fu Hok Seung Ying Kuen“ ( 虎鶴雙形拳 Tiger und Kranich Kombination). Hier wurden die Tiger- und Kranichbewegungen, die einst Hung Hei Guan entwickelte, zu einer festgelegten Form zusammengesetzt. Mit weiteren Techniken z. B. die der acht betrunkenen Götter und den fundamentalen kraftvollen Stellungen, gilt diese Form heute als das Markenzeichen des Hung Gar Kuen.

Aufgrund seines hervorragenden kämpferischen Könnens wurde Wong Fei Hung im Jahre 1912 Kampf-Ausbilder einer Spezial Elite Einheit der chinesischen Arme in Kanton.

Wong Fei Hung starb 1925 im Alter von 78 Jahren. Sein Wissen und Können gab Wong Fei Hung an Schüler wie Wong Sai Wing 黃世榮, Dang Fung 鄧芳 (1874 - 1955), seine Frau Mok Guai Lan 莫桂蘭, Leung Fun 梁寬 sowie an Lam Sai Wing 林世榮 weiter.

Wong Sai Wing 黃世榮 (ca. 1859 - 1927) wurde in Kanton geboren und war einer der besten Schüler Wong Fei Hungs. Obwohl er den selben Familiennamen (Wong) trägt, ist er nur indirekt mit Wong Fei Hung verwandt, der so etwas wie sein Großonkel ist. Wong Sai Wing wurde in jungen Jahren Schüler von Wong Fei Hung, von dem er auch in der berühmten Heilkunst der Familie Wong unterwiesen wurde. Später ging Wong Sai Wing nach Malaysia und Singapur, um dort den armen und hilfsbedürftigen Menschen medizinische Unterstützung zu geben. Er war sehr bekannt für seinen Gerechtigkeitssinn und seine Hilfsbereitschaft. Ganz nach dem Vorbild von Wong Kei Ying und Wong Fei Hung behandelte er sehr oft kranke Menschen, ohne dafür eine Bezahlung zu verlangen. Ebenso lehrte er das Hung Gar Kung Fu, um es in Singapur zu verbreiten. Dabei hielt er sich streng an die traditionellen Vorgaben seines Meisters Wong Fei Hung. Wong Sai Wing zählte bald in Singapur zu den bekanntesten Ärzten und galt dort als der beste Kung Fu Meister. Aufgrund seines guten Rufes wurde er schließlich im gesamten indonesischen Raum sowie in Malaysia eingeladen, um dort medizinische Unterstützung zu geben und das Hung Gar Kung Fu zu unterrichten. Viele Hung Gar Kuen Schulen in diesen Gegenden gehen daher auf Wong Sai Wing zurück. Sein gesamtes Können sowohl in der Heilkunst als auch in der chinesischen Medizin gab Wong Sai Wing an Schüler wie Chiu Kao 趙教 und seinen Neffen Leung Zai Yuk 梁齊玉 (Wong Yuk 黃玉) weiter.

Lam Sai Wing 林世榮 (1860 – 1943) wurde im Nam Hoi District in Kanton geboren. Da er von Beruf Metzger war, führte er auch den Beinamen "Chue Juk Wing (oft auch Jue Juk Wing geschrieben) 豬肉榮", was soviel heißt wie "Schweinefleisch Wing" oder "Butcher Wing". Er erhielt schon in jungen Jahren Kung Fu Unterricht von seinem Vater. Später wurde er Schüler des legendären Meisters Wong Fei Hung. Das Talent von Lam Sai Wing befähigte ihn dazu, den Stil sehr schnell zu lernen. Er und Wong Fei Hung erlebten zusammen viele Abenteuer und waren ein unschlagbares Team. Lam Sai Wing schrieb drei Bücher (Gung Ji Fok Fu, Fu Hok Seung Ying und Tit Sin Kuen) und veröffentlichte diese im Jahre 1917. Durch diese Bücher wurde der Stil in Hong Kong sehr populär.

Als Lam Sai Wing in Kanton an einem großem Kung Fu Turnier den ersten Platz errang, verschaffte er sich in der Stadt ein sehr großes Ansehen. Außerdem gab er bei Veranstaltungen sehr oft Kung Fu Demonstrationen, um Geld zu sammeln, welches er dann an arme Menschen verteilte. Seine Hilfsbereitschaft brachte ihm den Ruf als eine Art chinesischer Robin Hood ein.

Im Alter von etwa 55 Jahren zog Lam Sai Wing nach Hong Kong und eröffnete eine Schule. Seine bekanntesten Schüler sind: sein Neffe Lam Jo 林祖 (auch Lam Cho), Chiu Kao 趙教, Chan Hon Chung 陳漢宗, Lau Chaam 劉湛 und Wong Lei 王利.

Chiu Kao 趙教 (1895 – 1995) wurde im Gebiet Sam Kong in Kanton (Südchina) geboren. Im alter von 12 Jahren ging Chiu Kao mit seinem Onkel nach Malaysia, um sich als Mienenarbeier Geld zu verdienen. Später fand er eine bessere Arbeit in Singapur. Dort wurde er Zeuge eines Kampfes zwischen dem jungen Hung Kuen Meister Wong Yuk 黃玉 (auch bekannt unter Leng Zai Yuk 靚仔玉 "der schöne Junge Yuk") und seinem Gegner Ha Shan Fu, einem bekannten und erfahrenen Kung Fu-Meister. Der Hung Kuen-Kämpfer Wong Yuk ging als Sieger aus diesem Kampf hervor. Tief beeindruckt von dieser Kampfkunst hatte der junge Chiu Kao nur noch eines im Sinn; er wollte Hung Gar Kung Fu lernen. Wong Yuk brachte Chiu Kao zu seinem Onkel und Meister Wong Sai Wing. Dieser nahm Chiu Kao zum Schüler und unterrichtete ihn in der Kunst des Hung Gar Kuen und bildete ihn auch in der chinesischen Medizin aus. Chiu Kao war ein sehr begabter Schüler und brachte es zu großem Können. Zusammen mit seinem Meister Wong Sai Wing reiste er durch das Land, um das Hung Gar Kung Fu zu verbreiten und um hilfesuchenden Menschen zu helfen. Viele Jahre begleitete Chiu Kao seinen Meister Wong Sai Wing bei seinen Reisen, die bis nach Malaysia und Indonesien führten. Noch heute gibt es dort viele Hung Gar Kung Fu Schulen, die auf Wong Sai Wing und Chiu Kao zurückgehen. Im Alter von 27 Jahren ging Chiu Kao schließlich zurück nach Kanton, wo er seine Frau Shiu Ying (1904 - 2002; auch Wong Sou Nang) kennen lernte und 1923 heiratete. Zusammen gingen sie wieder zurück nach Singapur, wo Chiu Kao das Schneiderhandwerk lernte. Als sie ein wenig Geld verdient hatten, zogen sie 1931 nach Hong Kong, um dort zu arbeiten. Dort kam auch ihr Sohn Chiu Wai zur Welt. In Hong Kong hörten sie von Meister Lam Sai Wing, einem weiteren Schüler von Wong Fei Hung und wurden schließlich 1931 Schüler von Lam Sai Wing. 1935 eröffneten Chiu Kao und Shiu Ying ihre erste Kung Fu Schule. Diese mußten sie 1941 während des chinesisch/japanischen Krieges vorübergehend schließen, als Chiu Kao mit seiner Familie nach China umsiedelte, wo 1943 sein Sohn Chiu Chi Ling geboren wurde. 1945 zogen sie wieder zurück nach Hong Kong und eröffneten wieder eine Kung Fu Schule sowie eine Dit Da Praxis. Nachfolger Chiu Kao´s wurden insbesondere seine Söhn Chiu Chi Ling 趙志淩. und Chiu Wai 趙威. Sie haben das Hung Gar Kung Fu in vielen Teile der Welt verbreitet. So z. B. in Hong Kong, China, Deutschland, Schweiz, Holland, Polen, Italien, Spanien, England, Singapur, Australien, USA und Kanada. Hier unterrichten viele weitere Lehrer und Meister, auf deren Aufzählung ich der Vielzahl wegen vorerst verzichten muß.

Wong Yuk 黃玉 (ca. 1889 - 1978) kam ursprünglich aus Kanton und wanderte mit seiner Familie nach Malaysia bzw. Singapur aus. Dort verdiente er sein Geld, indem er Medizin verkaufte und eine kleine Praxis eröffnete. In jungen Jahren war er auch bekannt unter dem Spitznamen "Leng Zai Yuk 靚仔玉", was soviel bedeutet wie"Yuk mit dem schönen Gesicht" oder "der schöne Junge Yuk". Gemäß Überlieferung soll sein richtiger Name Leung Zai Yuk 梁齊玉 gewesen sein. Da seine Eltern sehr früh starben wurde er von dem Hung Gar Kuen Meister Wong Sai Wing adoptiert und aufgezogen. Daher erhielt er auch dessen Familiennamen "Wong". Wong Yuk lebte später sehr zurückgezogen in seiner Hütte, wo er der Herstellung von Heilmedizin wie z. B. Dit Da Jou 跌打酒 nachging, um sie zu verkaufen. In jungen Jahren musste er gegen den Kung Fu Meister Ha Shan Fu kämpfen, der seinen Meister Wong Sai Wing herausforderte. Leng Zai Yuk führte den Kampf, um die Ehre seines Meisters zu verteidigen. Während des Kampfes verwundete er schließlich seinen Kontrahenten mit einer Tigertechnik (Dan Fu Zhao 單虎爪) tödlich und gewann so den Kampf. Durch diesen Sieg wurde er zum Helden im ganzen Dorf. Chiu Kao war Zeuge dieses Kampfes und wurde so auf das Hung Gar Kung Fu aufmerksam, so kam Chiu Kao zu Meister Wong Sai Wing. Leng Zai Yuk 靚仔玉 wurde so zum älteren Kung Fu Bruder von Chiu Kao. Wong Yuks bester Schüler war Huynh Lu Yang, welchen er zu seinem Nachfolger machte. 1965 siedelte er in Begleitung von seinem Schüler Huynh Lu Yang wieder nach Kanton um, wo er 1978 verstarb.

Huynh Lu Yang 黃鹿樣 wurde ca. 1940 in Vietnam geboren. Als er ca. 3 Jahre alt war, wanderten seine Eltern mit ihm und seinen Geschwistern nach Malaysia aus, um den drohenden Kriegsgefahren in Vietnam zu entfliehen. Dort wuchs Lu Yang unter harten Bedingungen auf. Schon als kleiner Junge mußte er auf dem Feld arbeiten, um seine Eltern beim Geldverdienen zu unterstützen. Mit etwa 8 Jahren traf er auf Leung Zai Yuk. Er war ein Meister des Hung Gar Kuen und Schüler von Wong Sai Wing. Meister Leung nahm den kleinen Lu Yang in seine Obhut und unterwies ihn in der Kunst des Hung Gar Kuen ganz nach traditioneller Art. Im Jahr 1965 folgte Huynh seinem Meister nach Kanton, um sich dort um ihn zu kümmern. Nach dessen Tod ging Huynh nach Hong Kong, um dort unter besseren Lebensbedingungen eine Arbeit zu finden. Hier studierte er an der Universität von Hong Kong und arbeitete nebenbei als Koch in einem Viersterne-Hotel. 1990 ging er dann nach Deutschland, um dort zu studieren. Auch hier arbeitete er nebenbei in einem China-Restaurant, um sich Geld zu verdienen. 1994 gründete Huynh Lu Yang die HUNG GAR KUEN MARTIAL ARTS ASSOCIATION GERMANY. 1999 ging Meister Huynh zurück zu seiner Familie nach Malaysia und übergab sein Erbe des Wong Sai Wing Hung Kuen an Sifu Hagen Bluck, der im folgenden die Präsidentschaft übernahm und offiziell zum Linien-Nachfolger ernannt wurde.

 

 

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