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Chinesischer Löwentanz im Hung Gar Kuen    

                                                                 

 Was ist chinesischer Löwentanz

 

Bei jedem chinesischen Neujahr und auch sonst bei allen Festivitäten der Chinesen ertönen laute Trommelschläge begleitet von schallenden Instrumenten. Diesen Tönen folgt ein vierbeiniges, buntes Wesen, begleitet von einem großköpfigen Mönch. So könnte man den chinesischen Löwentanz in etwa beschreiben. Doch was steckt wirklich dahinter? Der chinesische Löwentanz ist eine alte, traditionelle Kunst aus dem Reich der Mitte. Seine Wurzeln liegen tief in der Kultur der Chinesen verankert. So geht seine Entwicklung weit zurück in die Zeit, als noch der Glaube an Götter, Drachen und Geister in jedermanns Gedanken war.

Der chinesische Löwe selbst ist eigentlich ein Fabelwesen, mit der Fähigkeit, das Böse zu vertreiben. Diese Art Löwe ist nicht ganz mit dem zu vergleichen, was die westliche Welt unter einem Löwen versteht.

Meist sind chinesische Löwen bunt und haben eher ein drolliges Aussehen. Sie werden niemals derart böse gespielt, daß sie einen Menschen ernsthaft angreifen oder sogar beißen würden. Seine Aufgabe ist es, die bösen Geister und Dämonen aus einem Haus (Tempel, Geschäft, u.ä.) zu vertreiben, denn ein chinesischer Löwe stellt die Verbindung zwischen den Menschen und dem Himmel dar. Er ist der Überbringer des Glücks, der Freude und des Wohlstands.

Meistens wird ein chinesischer Löwentanz an Neujahr oder bei Eröffnungen von Geschäften, Restaurants etc. vorgeführt, um die Räumlichkeiten von bösen Energien zu befreien und um dem Unternehmen Glück und Erfolg zu bringen.

Begleitet wird der Löwe stets mit einer großen Trommel, Zimbels (ein Instrument ähnlich dem Becken) und Gongs.

  

Schlagstöcke            Zimbels                    Großer Gong             Kleiner Gong

 

Mit diesen Instrumenten werden bestimmte Schlagabläufe und Rhythmen gespielt, die den Löwen bei seinen Bewegungen führen. Die Trommel wird oft auch als das Gebrüll des Löwen bezeichnet. Die „Löwentanz-Musik“ wird sehr laut gespielt, da auch die Lautstärke die bösen Dämonen vertreiben soll. Es heißt, die Dämonen und Geister fürchten sich vor dieser Art von Musik.

In China wird der Löwe mit sogenannten „Hong Bao“ bezahlt. Hong Bao sind kleine rote Papiertaschen, die meist mit verschiedenen Verzierungen bzw. Schriftzeichen bedruckt sind. In diese roten Papiertaschen steckt man Geld und läßt sie den Löwen dann „fressen“. Dies soll symbolisieren, daß man den Löwen damit besänftigt und sich bei ihm bedankt.

Der Löwe wird häufig durch einen Buddha (großköpfiger Buddha) begleitet und geführt. Hierzu gibt es spezielle Buddha-Masken, die sich der Tänzer auf den Kopf setzt. Dieser trägt zusätzlich ein Gewand und wedelt mit einem Fächer. Es gibt sowohl männliche Buddhas, als auch Weibliche.

Am meisten verbreitet ist allerdings der männliche, großköpfige Buddha. Er führt den Löwen durch und über Hindernisse, spielt mit ihm, führt ihn zur Nahrung oder ärgert ihn.  

 

männlicher und weiblicher Buddha  

 

Beim Löwentanz gibt es verschiedene Grundschritte, die man auch im traditionellen Kung Fu wiederfindet. Diese werden fließend miteinander kombiniert, um den Bewegungen des Löwen ein harmonisches Aussehen zu geben.  

 

Löwentanz-Stellungen aus dem Kung Fu

 

In den meisten traditionellen Kung Fu Schulen (insbesondere Hung Gar Kung Fu Schulen) ist der  chinesische Löwentanz ein fester Bestandteil der Kampfkunstausbildung. Hier lernt der Übende sich (wie in den Formen auch) harmonisch und flexibel zu bewegen. Man muß versuchen sich in die Eigenart des Löwen hineinzufühlen, denn nur so sehen die Bewegungen auch real aus. Dies erfordert von den „Tänzern“ eine gute Anpassungsfähigkeit und Beweglichkeit. 

Dadurch, daß man mit seinen Händen den Löwenkopf trägt, werden gleichzeitig die Arme, die Schultern und der Rücken der Schüler gestärkt. Die Tänzer führen mit dem Löwen auch oftmals sehr akrobatische Bewegungen aus. So springt der Vordermann auf die Schultern des Hintermanns, als würde der Löwe sich aufbäumen. Ebenso werden Rollen und Sprünge ausgeführt.

Dies erfordert von den Tänzern ein hohes Maß an Bewegungsgefühl und Körperbeherrschung. Hier müssen Vordermann und Hintermann perfekt zusammenarbeiten. Jeder muß sich auf seinen Partner verlassen können.

Durch die harmonisch abgestimmten Bewegungen des Löwen auf die Trommel-Musik, wird das Taktgefühl der Tänzer geschult.

Das Schlagen der Trommel kräftigt zudem die Schultern, Unterarme und Handgelenke. Ein gutes Gehör für Takt und flexibles Anwenden der verschiedenen Rhythmen ist hierfür sehr wichtig. Somit ist das Trainieren des Löwentanzes für Kung Fu Schüler bzw. für das Erlernen der chinesischen Kampfkunst sehr förderlich. Durch die Kombination von Bewegung, rhythmischer Musik und auch die Arbeit mit den Armen (in Form vom Halten des Löwenkopfes, das Schlagen der Trommel und der Instrumente), läßt der Übende diese Lernabschnitte in Fleisch und Blut übergehen, welche dann schließlich auch sein ganzes Kung Fu enorm verbessert.  

 

 

Variationen der Löwen  

 

Es gibt verschiedene Arten von Löwen. So kann man diese ganz grob in die nördlichen und südlichen Löwen unterteilen. Die südlichen Löwen lassen sich wiederum in weitere Variationen einteilen.

 

Hok San Löwe (He Shan) 鹤山獅

Fat San Löwe (Fu Shan) 福山獅

Kwang Dong Löwe (Guang Dong) Kanton Löwe 廣東獅  

 

Selbstverständlich gibt es noch weitere kleinere Unterarten der verschiedenen Löwen.

Hier wird aber speziell der Kanton Löwe beschreiben, da dieser für das Hung Gar Kung Fu relevant ist.

 

                                           

 

Guang Dong Löwe 廣東獅 – der kantonesische Löwe  

 

Der kantonesische Löwe steht im allgemeinen für Kraft und Güte. Er ist sehr eng mit den Kampfkünsten verbunden. Man teilt ihn in vier Kategorien ein:

 

Bai-Xü-Shi 白須獅 – Weißbart-Löwe

Hei-Xü-Shi 黑須獅 – Schwarzbart-Löwe

Ya-Shua-Xü-Shi 牙刷須獅 – Kurzbart-Löwe

Wu-Se-Xü-Shi 五色須獅 – Mehrfarbenbart-Löwe/Fünf Farben-Bart Löwe

 

Die Farbe und Länge des Bartes symbolisieren das Alter (Weisheit) und zeigen die Persönlichkeit des Löwen an:

 

Ein Löwe mit weißem Bart ist ein älterer Löwe, ehrvoll und mit viel Würde.

Ein Löwe mit einem schwarzen Bart ist ein jüngerer Löwe, voll im Leben und mit viel Temperament.

Der Löwe mit dem kurzen Bart ist ein eigensinniger junger Löwe, der schnell erregt werden kann.

Ein Löwe mit mehrfarbigem Bart steht für einen rauen und streitsüchtigen Charakter.

 

Der Mehrfarbenbart-Löwe wird aber nicht mehr hergestellt, da er mit diesen Charakterzügen als Überbringer des Glücks und der Gesundheit nicht akzeptiert werden konnte.

So wurde eine fünfte Variante eingeführt:

 

der Rotbart-Löwe, im allgemeinen auch Goldener Löwe genannt.

 

Der Rotbart-Löwe ist eigentlich kein traditioneller kantonesischer Löwe aber er stellt einen Mischling eines modernen Nordlöwen und eines südlichen Löwen dar.

Generell werden die kantonesischen Löwen von der Bauweise her in vier Größen eingeteilt. Diese gehen von Groß bis zur Kindergröße.

Da die meisten Löwentänzer auch Kampfkünstler sind, wird der kantonesische Löwe gewöhnlich in zwei Kategorien eingeteilt, was mit dem Alter und dem Level der Kampfkunst der jeweiligen Löwentanzgruppe zusammenhängt.

 

Lao Shi 老獅 (alter Löwe) mit Ehre und Würde

Shao Shi 少獅 (junger Löwe) Bewegungen sind wilder

 

Diese Einteilung wird von Löwentanzgruppen verwendet. Die Lao Shi werden von Gruppen geführt mit viel Löwentanz-Erfahrung und einem langen Kampfkunst- Training, während die Shao Shi von weniger erfahrenen Tänzern geführt werden. So wurde auch eine weitere Regel eingeführt, daß falls die beiden Löwen aufeinander treffen, muß der junge Löwe (Shao Shi) zur Seite gehen und den Weg für den älteren Löwen (Lao Shi 老獅) freigeben.

Die Lao Shi werden wiederum in drei Typen eingeteilt. Diese Typen wurden zu ehren von drei populären Volkshelden aus der Zeit der Drei Reiche 三國 (221-265 n. Chr.) benannt, die als „die drei Brüder des Pfirsichgartens“ bekannt waren.

 

Die drei Helden werden in China als Götter der Aufrichtigkeit, Loyalität und Treue verehrt:  

 

Liu Bei 劉備, König von Shu Han

Guan Yü 關羽, General

Zhang Fei 張飛, General

 

Die nach diesen drei Helden benannten Löwen werden wie folgt beschrieben:

 

1. Liu Bei Shi 劉備獅:

Dieser wird verschiedentlich auch als Hua-Mien-Shi (Löwe mit buntem Gesicht, Blumengesicht-Löwe) bezeichnet. Da Liu Bei ein König war, stellt der Löwe auch etwas erhabenes und majestätisches dar. Der Liu Bei-Löwe ist der verbreitetste Löwe. Er vertritt meistens Schulen, die eine lange Tradition haben und die ein hohes Ansehen geniesen. Seine Bewegungen sind sehr bedächtig und vorsichtig. Bevor er einen Schritt macht, testet er ersteinmal das Hindernis bzw. den Untergrund aus, um nicht zu stürzen.

Die Grundfarbe dieses Löwen ist gelb, welche mit weiteren Farben kombiniert ist. Die Augenbrauen des Löwen sind weiß und er hat einen langen weißen Bart. Die Nase ist grün ausgekleidet mit weißem Pelz. Auf dem Kopf des Löwen ist ein Horn, welches seine hohen Ideale symbolisiert. Direkt darunter, auf dem Hinterkopf sind drei ineinander verkettete chinesische Münzen aufgezeichnet, die seinen Status als Lao Da (Großer Bruder) darstellen.

Der Körper des Löwen ist ebenso mehrfarbig, verziert mit weißem Pelz und runden Metallblättchen.

 

2. Guan Yü Shi 關羽獅

Dieser Löwe ist auch als Hong-Mien-Shi (Löwe mit rotem Gesicht) oder auch als Xing-Shi (wacher Löwe) bekannt. Die Bewegungen dieses Löwen sind ebenso wie beim Liu Bei-Löwen recht besonnen. Da Guan Yü ein sehr aufrechter und geehrter General war, wird auch der Löwe oftmals mit sehr hocherhobenen Kopf geführt.

Die Farben dieses Löwen sollen Tapferkeit und Loyalität repräsentieren. Seine Grundfarbe ist rot, mit schwarzen Augenbrauen und einem langen, schwarzen Bart. Die Nase ist grün angemalt, da eine rote Nase (dies gilt für alle Löwen) als Herausforderung zum Kampf verstanden würde.

Das Horn auf dem Kopf ist lilafarben. Dieser Löwe hat auf seinem Hinterkopf zwei ineinander verkettete Münzen, welche ihn als Lao Er (Zweiter Bruder) bezeichnen.

Dieser Löwe hat einen Körper der sich aus roten, schwarzen und grünen Streifen zusammensetzt. Entlang des Körpers läuft ein langes Stück schwarzer Pelz. Auch er ist zum Teil mit Metallplättchen versehen.

 

3. Zhang Fei Shi 張飛獅

Der Zhang Fei Löwe wird oft auch Hei-Mian-Shi (Schwarz-Gesicht Löwe) oder auch als Meng Shi (wilder Löwe) bezeichnet. Er ist der jüngste der drei Brüder. Da er einen wilden und verspielten Charakter hat, ist er jederzeit bereit für einen Kampf. Er gilt als sehr direkt und tapsig und ist nicht so vorsichtig wie seine beiden älteren Brüder. Man kann seine Bewegungen auch als sorglos bezeichnen. Die Farbe seines Gesichtes ist schwarz mit weißen Strichen darin.

Um ein etwas furchteinflößendes Aussehen darzustellen, sind die Augen dieses Löwen rot. Auf dem Kopf ist ein Horn, welches im Gegensatz zu den beiden anderen Löwen gerade ist. Die Augenbrauen sind schwarz und buschig. Sein Bart ist etwas kürzer als die der anderen und hat eine schwarze Farbe.

Auch seine Nase ist grün. An seinem Mund hat er zwei aufgemalte Zähne, die ihm ein etwas grimmiges Aussehen geben. Auch seine Ohren unterscheiden sich von den anderen. Sie sind so gemacht, als wären sie gebrochen oder zerrissen von den vielen Kämpfen, die der Löwe geführt hat.  Auf dem Hinterkopf trägt der Löwe eine Münze, die ihn zum Lao San (Dritter Bruder) macht.

Sein Körper besteht aus schwarzen und weißen Streifen und ist mit weißem Pelzstreifen durchzogen. Oftmals sind neben den runden Metallblättchen an seinem Körper auch kleine Glöckchen angebracht, die bei jeder Bewegung klingeln.

Der Körperteil der jeweiligen Löwen wird mit Befestigungs-Schlaufen am unteren Teil des Kopfes festgebunden. An dem Übergang von Körper zu Kopf wird ein weiteres Stück Stoff in der jeweiligen Farbe des Löwen angebracht, welches man als Ling Chang bezeichnet. Hierauf ist normalerweise der Name des Löwentanzteams oder der Schule geschrieben.

Die beiden Tänzer, die den Löwen führen, tragen entsprechende Hosen, die den Farben und dem Aussehen des jeweiligen Löwenkörpers angepaßt sind. Zusätzlich kann man noch die Schuhe mit Pelzen und Stoffen verzieren, sodaß sie zum Rest des Löwenkostümes passen.  

 

 

Kai Guang 開光: Die Einweihungs-Zeremonie

 

 

Jeder neue Löwe muß eine Einweihung erfahren, um den Menschen Glück und Gesundheit bringen zu können.

Es gibt mehrere Enweihungs-Zeremonien, um einen Löwen seiner Bestimmung zuzuführen:  

 

- weltliche oder auch zivile Zeremonie

- religiöse Zeremonie

 

Die Löwentanz-Zeremonie wird vor oder in der jeweiligen Kung Fu Schule im Beisein aller Schüler abgehalten. Da in den meisten Kung Fu Schulen die zivile Zeremonie bevorzugt wird, werde ich diese hier im einzelnen beschreiben:

Der Löwenkopf wird mitsamt Körperteil auf den Boden gelegt und ist mit einem roten Tuch bedeckt (es ist möglich, daß die Tänzer bei der Zeremonie schon unter dem Löwen sitzen, dies muß aber nicht sein). Dabei soll der Löwe nach außen, d.h. aus der Schule hinaus schauen, um so schon eine Schutzfunktion zu erfüllen. Die Trommel, die Schul-Flaggen und sonstigen Instrumente werden auf die rechte Seite des Raumes (vom Meister aus gesehen, der die Zeremonie durchführt) gestellt, während der Waffenständer bzw. die Waffen sich links im Raum befinden. Von den Zuschauern aus gesehen, befindet sich der Waffenständer rechts und die Instrumente links.

Diese Anordnung hat einen traditionellen Hintergrund. So war die zivile Seite stets links und das Militär immer rechts.

Die Trommelstöcke werden in der Form eines „T“ auf die Trommel gelegt. Das "T" steht für den Gott "Liu Ding 六 丁", welcher Kontrolle über Dämonen hat. Deshalb sagt man, daß die Trommelschläge (=Gebrüll des Löwen) die Dämonen verjagen können.

Im Raum sollte sich noch ein kleiner Altar (den im allgemeinen jede Kung Fu Schule besitzt) befinden. Dieser steht gegenüber des Einganges der Schule bzw. des Raumes. Wird die Zeremonie außerhalb der Schule abgehalten, so sollte der Altar neben dem Eingang stehen.

Auf dem Altar werden Kerzen und Räucherstäbchen angezündet. Zudem steht ein Becher bereit, in dem sich das „Lebenselixier“ befindet. Das Lebenselixier besteht aus einer zu Pulver zerstoßenen Zimtstange. Dies nennt man Zimt-Elixier (Zhu-Sha). Zimt steht in China in engem Zusammenhang mit Leben bzw. einem ehrvollen Leben. Als Alternative kann man auch eine zerkrümelte Ingwerwurzel nehmen.

Zum Beleben des Löwen nimmt der Meister drei Rächerstäbchen, zündet diese an und verbeugt sich respektvoll vor den Ahnen. Dann steckt er sie in das Gefäß am Altar.

Es ist möglich, daß auch andere ehrwürdige Personen zusätzlich dem Löwen das Leben schenken möchten. Hierzu nehmen auch diese Personen drei Räucherstäbchen, entzünden sie und verbeugen sich vor dem Altar. Alsdann werden sie in das Gefäß am Altar gesteckt.

Hier ist es jedoch wichtig, daß das Gefäß immer leer ist. Es dürfen immer nur drei Räucherstäbchen im Gefäß sein.

 

Nun zieht der Meister das rote Tuch langsam vom Löwenkopf herunter.

Als nächstes nimmt er die Schale mit dem zerstoßenen Zimt und beginnt mit einem Pinsel das Lebenselixier auf die Stirn des Löwen zu tupfen.

Hierbei kann bereits mit der Trommel ein gleichmäßiger Ton geschlagen werden.

Jetzt tupft der Meister die Augen des Löwen mit dem Zimt-Elixier (falls die Tänzer bereits unter dem Löwen sitzen, sollten nun die Augen blinzeln).

Danach streicht er mit dem Pinsel über die Ohren des Löwen (sitzen die Tänzer darunter, bewegen sich nun die Ohren). Alsdann zeichnet der Meister mit dem Pinsel eine Linie von der Hornspitze über den Rücken (Wirbelsäule des Löwen) bis zum Hinterteil. Eine weitere Linie wird von der Hornspitze über die Nase bis zur Zunge gepinselt.

Spätestens jetzt setzt die Trommel ein. Sie symbolisiert das Gebrüll des Löwen, der nun zum Leben erwacht ist.

Falls die Tänzer bereits unter dem Löwen sitzen, blinzelt der Löwe und beginnt aufzustehen. Sitzen die Tänzer noch nicht unter dem Löwen, können sie nun ihren Platz darunter einnehmen und den Löwen bewegen.

Nun folgt ein kleiner Löwentanz komplett mit Gong, Zimbels und natürlich der Trommel. Der Tanz kann auch durch einen Buddha unterstützt werden.

Dies war nunmehr die gebräuchlichste Art eine Einweihungszeremonie durchzuführen. Es gibt noch viele weitere Arten, insbesondere religiöse Arten der Zeremonie, die jedoch sehr viel umfangreicher gestaltet sind. Für eine Kung Fu Schule ist diese hier beschriebene Variante aber die am häufigsten durchgeführte Zeremonie.  

 

alte Zeichnung eines Löwentanzes

 

 

Löwentanz-Organisation und Training

 

In einer Kung Fu Schule besteht eine Löwentanz-Truppe aus mehreren langjährigen Schülern. Die Anzahl der Personen in diesem Team kann von fünf bis zehn oder sogar noch mehr reichen. Je nachdem in welchem Umfang eine solche Löwentanz-Truppe eingesetzt werden soll. So können z. B. auch zwei Löwen gleichzeitig eingesetzt werden oder aber auch zwei Ersatzleute für den Löwen bereit stehen.

Im allgemeinen besteht ein Team aus ca. sechs bis sieben Personen (oder auch mehr):

        

1 Person für die Trommel

2 und mehr Personen für die Zimbels   

1-2 Personen für den Gong

2 Personen für den Löwen

1 Person für den Buddha  

 

Dem ältesten Schüler bzw. dem Meister selbst ist es vorbehalten, die Trommel als Führer des gesamten Tanzes zu schlagen.

Der Löwe sollte von zwei gut trainierten Schüler geführt werden, da auch akrobatische Elemente ausgeführt werden.  

 

 

verschiedene Bewegungsmöglichkeiten und akrobatische Elemente 

 

 

Die Mitglieder einer Löwentanzgruppe sollten folgende Voraussetzungen erfüllen.

Man soll:

-          einen guten Charakter zeigen und ein gutes Benehmen haben

-          gesund sein

-          gesetzestreu sein und sich respektvoll gegenüber anderen verhalten

-          lernfähig sein sowie Kritik und Instruktionen akzeptieren

-          mit den Regeln einverstanden sein, die in der Gruppe gelten und soll ihnen treu sein

-          danach streben, die Traditionen und Sitten zu erhalten

-          zuverlässig und vertrauensvoll sein

-          nicht streitsüchtig sein  

 

Das Erste was man beim Löwentanz lernen soll, sind die Schritte bzw. Stellungen und das Spielen der Instrumente. In einer Kung Fu Schule sind Stellungen an der Tagesordnung, so können diese beim Erlernen des Löwentanzes sehr hilfreich sein.

Die Bewegungen des Löwen umfassen neben den normalen Schritten auch Sprünge, so kann von einer Bank zur anderen gesprungen werden, und Rollen.

Einen weiteren wichtigen Teil des Löwentanzes spielt das Grünzeug. Dieses ist das Futter des Löwen und steht für Reichtum (wenn man etwas zu Essen hat, so ist man Reich und es geht einem gut). Das Grünzeug besteht in der Regel aus einem Grünkohl oder einem Kopfsalat und wird irgendwo im Raum auf dem Boden oder an den Hindernissen angebracht.

Oftmals wird es auch an einer Schur an die Decke gehängt. So muß der Löwe z. B. auf Bänke steigen, um das Grünzeug fressen zu können.

Das Spielen der Instrumente gibt dem Schüler die Möglichkeit, sich das entsprechende Gehör für einen Löwentanz und somit für die Bewegungen des Löwen anzueignen. So wird man gefühlsmäßig in den Tanz eingestimmt und kann sich so besser in die Bewegungen des Löwen hineinversetzen.

 

Wichtig für die Instrumente ist, daß sie gleichzeitig spielen, also synchron sind. Zusätzlich müssen die Instrumente noch harmonisch mit den Trommelschlägen abgestimmt werden.

Dies alles erfordert sehr viel Übung und großes Einfühlungsvermögen.

 

Beim Schlagen der Trommel werden verschiedene Schlagrhythmen ausgeführt. Als Grundschläge gelten:  

-          Drei Sterne Trommel 三星鼓

-          Fünf Sterne Trommel 五星鼓

-          Sieben Sterne Trommel 七星鼓

-          Donnerwirbel Trommel 雷鼓

 

Um das Trommeln vielseitiger zu gestalten, werden alle Schlagrhythmen miteinander kombiniert.

Zusätzlich können alle Schläge sowohl in ihrer Lautstärke (laut bzw. leise)  als auch in ihrer Geschwindigkeit (also schneller oder langsamer) variieren.

Auch dahingehend müssen die Löwentänzer mit den Instrumenten geschult werden.

 

Jeder Meister bzw. jede Schule hat zudem ihre eigenen Schlagrhythmen, die traditionell von Meister zu Schüler weitergegeben werden.

Diese verschiedenen Schlagkombinationen machen jeden Löwentanz zu einem unvergleichbaren Erlebnis.

 

 

 

 

Regeln und Praktiken des Löwentanzes

 

Der Löwentanz hat einen sehr traditionellen Charakter. So müssen beim Training und beim Ausführen eines Löwentanzes gewisse Regeln eingehalten werden.

 

Zu Beginn und am Ende des Tanzes muß der Löwe (sowie auch der Buddha) drei Verbeugungen (traditioneller Gruß) ausführen:

1. nach links, für die Gelehrten 左是文

2. nach rechts, für die Kämpfer 右是武

3. zur mitte, die Meister und die Lehren 中是教頭 (bzw. Zuschauer)

 

und gegebenenfalls noch

 

4. nach hinten, zu den Großmeistern und Meistern (bzw. nochmals drei Verbeugungen komplett)

 

Trifft der Löwe auf Tempellöwen (Statuen), die den Eingang eines Tempels/Gebäudes bewachen, so hat er sich vor ihnen zu verbeugen.

 

Der Löwe geht stets rückwärts aus einem Tempel bzw. aus einem Gebäude hinaus. Er sollte niemals dem Gebäude bzw. einem Altar o.ä. das Hinterteil zukehren, da dies eine Entehrung des Gebäudes bedeuten würde. Vor einem Hausaltar (Hausgötter) hat sich der Löwe ebenfalls dreimal zu verbeugen.

 

Betritt der Löwe einen Tempel, so muß er Respekt zeigen, indem er sich verbeugt.

 

Auch vor anderen Gottheiten, die nicht direkt mit dem Löwentanz in Verbindung stehen, muß der

Löwe Respekt zeigen und darf sie nicht beleidigen.

 

Er darf sich niemals mit Gewalt Zugang zu Gebäuden, Höfen o.ä. verschaffen. 

Wenn ihm kein Einlaß gewährt wird, so muß er draußen bleiben.

 

Der Löwe darf niemals mutwillig Einrichtungsgegenstände in Wohnungen, Tempeln oder sonstigen Gebäuden zerstören.

 

Niemals sollten Personen, die beim Löwentanz zuschauen, angegriffen oder beleidigt werden. Auch ihnen soll man Respekt bezeugen.

 

Gibt es in einem Gebäude oder Wohnung einen kleinen Hausaltar, so muß auch diesem Respekt bezeugt werden. Der Löwe hat sich vor diesem Altar zu verbeugen und entfernt sich stets rückwärts gehend von diesem. Er darf einer solchen Einrichtung nicht das Hinterteil zukehren.

 

Eine sehr ehrwürdige Person oder auch ein Altar wird dreimal gegrüßt.

 

Treffen zwei Löwen aufeinander, so müssen sie sich gegenüber respektvoll verhalten. Sie sollten sich nicht beleidigen z. B. durch riechen am Hinterteil des anderen Löwen, Beinheben wie beim Urinieren, etc, da dies eine sehr beleidigende Geste darstellt. 

 

Der Löwe ist ein Überbringer des Glücks und der Freude. Entsprechend hat er sich zu verhalten. 

 

Hier sind weitere Regeln, die man beim Löwentanz beachten sollte, um Unglück zu vermeiden. Sie entspringen der Tradition aus alter Zeit und haben daher zum Teil einen etwas abergläubischen Charakter.

 

Bevor man eine Löwentanzaufführung macht, sollte der jeweilige Schutzpatron (Guan Yü, Liu Bei, Zhang Fei) geehrt werden. Dies kann durch das Verbeugen vor einem entsprechenden Bild geschehen. 

 

Vor jedem Auftritt müssen alle Instrumente still sein. Besonders dürfen die zwei Trommelstäbe nicht aneinander geschlagen werden, da dies Krankheit und Unglück über die Löwentanzgruppe bringt. 

 

Wenn während des Löwentanzes eine streunende Katze oder ein Hund in die Formation läuft, so müssen alle Aktionen sofort stoppen, um den negativen Einfluß und den Schaden zu vermeiden. 

 

Wenn der Löwe nicht in Gebrauch ist, so muß er stets angemessen aufbewahrt werden. 

 

Der Löwe darf nie von einer Frau geführt werden, die gerade ihre Periode hat. (Der chinesische Glaube besagt, daß eine Frau während der Periode unrein ist und somit keine religiösen Dinge berühren darf). 

 

Jeder, der einen Todesfall in der Familie hatte und noch nicht über die Zeit der Trauer hinweg ist, sollte nicht an einem Löwentanz teilnehmen. 

 

Unter keinen Umständen soll ein Löwe unter einer Wäscheleine durchgehen, an der noch Wäsche hängt. 

 

Vor dem Löwentanz soll kein unerfreuliches und unsinniges Gerede gestattet werden, da dies Schaden bringen kann. 

 

Ein Löwe darf ohne richtige Einweihung nicht für den Löwentanz benutzt werden. 

 

Wenn ein Löwe ein Gebäude betritt oder verlässt, darf er nicht auf die Türschwelle treten, da dies Unglück über die Gruppe bringt. 

 

Derjenige, der eine Maske (z. B. Buddhamaske) trägt, um den Löwen zu führen, darf währenddessen nicht sprechen. Deshalb ist in der Maske drin, auf Mundhöhe ein Stoffstück angebracht, worauf während des Tragens der Maske gebissen wird. Auf diese Weise kann man die Maske festhalten und es wird verhindert, daß man spricht. 

 

Schwangeren Frauen soll es nicht erlaubt sein, irgend eines der Schlaginstrumente, die Waffen oder den Löwenkopf zu berühren. 

 

Der Löwentanz soll nie auf Beerdigungen und Trauerfeiern vorgeführt werden, auch dürfen die Banner (Fahnen) und Flaggen des Löwentanzteams auf solchen nicht benutzt werden. Nur den Schlaginstrumenten ist dies erlaubt. 

 

Flaggen, Banner und die ganzen Schlaginstrumente, sowie Waffen oder bewaffnete Begleiter des Löwen dürfen nicht die Haupthalle eines Tempels/Gebäudes betreten. 

 

Alle Arten von Schaden, Tod, Missgeschicke, Unfälle etc. müssen vor und während der Löwentanzaufführung ausgeschlossen werden. 

 

Kein Instrument darf geschlagen werden, bevor nicht der erste Trommelschlag als das „Gebrüll“ des Löwen und als Führer der Instrumente ertönt. 

 

Nach der Einweihungszeremonie beim ersten Löwentanz tragen die Tänzer einen kleinen Büschel Lauch und sie sollten einen roten Umschlag (Hong Bao) mit „Glücksgeld“ erhalten, der alle Missgeschicke vermeiden soll. 

 

Ein alter, zerbrochener Löwenkopf muß richtig „entsorgt“ werden. Indem man ihn mit Weihrauchpapier und einer Zeremonie verbrennt, wird er in den Himmel zurück geschickt. 

 

 

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